Die Schusterorgel in der Katholischen Pfarrkirche St. Josef in Berlin Weißensee

Am 10. August 1952 wurde die von der Orgelbaufirma Schuster, Zittau, für die Katholische Pfarrkirche St. Josef gebaute Orgel mit 40 Registern auf drei Manualen und Pedal in Gebrauch genommen. Die erste Orgel (Firma Waicker, 27 Register, 2 Manuale, Pedal) wurde Opfer eines Bombenangriffes im 2. Weltkrieg. Über die neue Orgel von 1952 schrieb man dann in der Chronik: "... die Orgel ist von einem Klangreichtum, wie er schöner nicht gedacht werden kann ...".

Diese Orgel ist eines der letzten Instrumente, das noch in der eigentlich vor dem 2. Weltkrieg üblichen Bauweise mit einer pneumatischen Taschenladentraktur hergestellt worden ist. Wegen der soliden handwerklichen Bauweise hat diese Orgel eine sehr präzise Spielart. Insofern gelten die sonst üblichen Vorurteile gegenüber einer sogenannten pneumatischen Orgel für das Weissenseer Instrument nicht. An der Disposition, Pfeifenmensur und Intonation des Instrumentes kann man erkennen, daß es aus einer Zeit stammt, in der sich der Orgelbau langsam auf neobarocke Werte zurückbesann - also weg von der Romantik und Orchesterklängen. So sind die Grundstimmen durchaus noch mit romantischer Fülle versehen, die Mixturen hingegen sind hell und hochliegend.

Bis 1994 hatte die Orgel nur zwei Zungenregister (Posaune 16' und Trompete 8'). Zu diesem Zeitpunkt erfolgte der Einbau der drei noch fehlenden Zungenregister entsprechend der ursprünglichen Disposition (Krummhom 8', Regal 8', Clarine 4'). Damit wurde das Instrument 42 Jahre nach seiner Einweihung endlich fertiggestellt. Bei diesen Arbeiten zeigte sich, daß erhebliche Schäden in den Windladen vorhanden waren. Die nun überfällige Generatreparatur wurde ein Jahr später, also 1995, zusammen mit einer grundlegenden Neuintonation aller Stimmen durchgeführt. Durch die nun vorhandenen fünf Zungenstimmen bekam die Orgel ein neues Klanggesicht mit einer Vielzahl neuer Registriermöglichkeiten und einem etwas abgerundeten, aber trotzdem sehr kräftigen Tutti. Wie die vorliegende CD-Einspielung eindrucksvoll zeigt, lassen sich nunmehr Kompositionen etlicher Stilepochen auf der Orgel darstellen.

Joachim Thoms
Kirchenmusiker an St. Josef

Disposition der Orgel

Hauptwerk

Oberwerk

Koppeln

Prinzipal

16'

Quintade

16'

RP - Ped

Prinzipal

8'

Gedackt

8'

HW - Ped

Rohrflöte

8'

Weidenpfeife

8'

OW - Ped

Gemshorn

8'

Prinzipal

4'

RP - HW

Oktave

4'

Rohrflöte

4'

OW - HW

Blockflöte

4'

Rohrnasat

2 2/3'

OW - RP

Quinte

2 2/3'

Blockflöte

2'

Oktave

2'

Terz

l 3/5'

Mixtur

4-fach

Spitzquinte

l 1/3'

Kleinmixtur

3-fach

Nachthorn

1'

Trompete

8'

Scharf

4-fach

Helle Zimbel

3-fach

Krummhorn

8'

Tremulant
Pedal Rückpositiv Spielhilfen
Prinzipal 16' Rohrgedackt 8' Zungeneinzelabsteller
Subbaß 16' Quintade 8' 2 freie Kombinationen
Zartbaß 16' Prestant 4' Plenum
Baßflöte 8' Nachthom 2' Tutti
Oktavbaß 8' Sifflöte 1' Crescendowalze
Sesquialter 2-fach Schweller (Oberwerk)
4'
Choralbaß
3-fach
Zimbel
2'
Nachthorn
Rauschpfeife 5-fach Regal 8'
Posaune iiiiiiii16'
Clarineiii iiiiiiii4'
Orgelbaufirma:
Schuster & Sohn
Zittau
1952/1995